Am Ende sind es wahrscheinlich New Yorker Feuerwehrleute, Lehrer und Polizisten, die über die Zukunft des Musiklabels EMI entscheiden. Das Heimatunternehmen der Beatles, das unter einem Milliardenverlust leidet und unter einer Milliarden-Schuldenlast ächzt, gehört dem Finanzinvestoren Terra Firma. In diesen wiederum haben städtische Pensionsfonds der US-Metropole investiert.
Die Staatsdiener müssen Geld nachlegen, wenn sie ihre Rente sichern wollen: EMI hatte Ende der Woche bekannt gegeben, nicht nur knapp 1,8 Mrd. Pfund Vorsteuerverlust zu schreiben, sondern auch Probleme beim Bedienen der 2,6 Mrd. Pfund Schulden zu haben. Der Wert der Musikrechte leidet durch illegale Internetdownloads. Auf Abschreibungen ist der Milliardenverlust zurückzuführen.
Gut möglich, dass es der schleichende Tod von EMI ist, den wir hier beobachten. Die Londoner Zeitung Daily Mail zitierte am Wochenende Anleger von Terra Firma, die sehr zögerlich sind, noch mal Geld in das sieche Unternehmen zu stecken. Terra-Chef Guy Hands hatte angekündigt, die Schulden nicht mehr bedienen zu können, wenn die Investoren nicht noch einmal 100 Mio. Pfund geben. Selbst dann wäre wohl nur das laufende Jahr gerettet. Gut vier Mrd. Pfund bezahlte Hands 2007 kurz vor Ausbruch der Finanzkrise für EMI. Mit den operativen Gewinnen kann er bestenfalls die Zinsen bezahlen.
Für einige Beobachter ist EMI nur das Symptom einer beginnenden Seuche. Nigel Reynolds, Partner bei PricewaterhouseCoopers und Autor einer Studie über Private-Equitiy-finanzierte Unternehmen, sagte dem Londoner „Guardian“, ein steigende Anzahl von schuldenfinanzierten Übernahmen – meist aus den Jahren 2006 und 2007 – seien kritisch. Jetzt, da Kredite nicht mehr leicht und billig zu bekommen seien, sei diese Art von Geschäftsmodell am Sterben.
Wenn es so ist, dann kann man den Todeskampf an Guy Hands und EMI modellhaft beobachten. Seine Bemühungen, mit der Citigroup die Schulden neu zu verhandeln, sind gescheitert. Mit dem Geldhaus, von dem er EMI bereits erworben hat, liegt er nun im Rechtsstreit. Er hat die Bank verklagt. Sie hätte verschwiegen, das ein zweiter Bieter abgesprungen sei und den Preis in die Höhe getrieben. Die Citigroup weist die Vorwürfe zurück, die Gerichtsverhandlung ist für Oktober terminiert.
Es kann sein, dass es da dann schon zu spät ist. Eine ganze Menge umsatzstarker Künstler haben sich in den letzten beiden Jahren von EMI abgeseilt. Als Hands das Ruder bei dem Traditionshaus übernahm, kam es zu Reibereien. Der Finanzmanager betrieb radikales Kostenmanagement, strich den Künstlern lieb gewordene Vergünstigungen und behandelte sie nicht wie Diven, sondern deren Meinung nach wie Lakaien. Einige ließen das nicht bieten. Die Rolling Stones verließen ihr Stammhaus und Radiohead ebenfalls. Paul McCartney nannte seinen Plattenverlag „todlangweilig“ und eine Tretmühle. Ein vernichtendes Urteil, wenn man die Geschichte bedenkt. Der britische Komponist Edward Elgar gehörte zu den ersten Künstlern, für eine Vorgängerfirma sang der Startenor Enrico Caruso. Auf den jungen Elvis folgten die Beatles und die Stones, heute sind es Robbie Williams und Coldplay. Scheitert EMI nun, hätte die Citigroup wieder das Sagen. Als wahrscheinlich gilt dann, dass die Nummer vier am Weltmusikmarkt zerschlagen wird.





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