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Neue CDs: Debussys Farbenlehre - kanadisch getuscht - Nachrichten welt_print - Kultur - WELT ONLINE
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DIE WELT: 02.02.10|

Neue CDs

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Debussys Farbenlehre - kanadisch getuscht

Yannick Nézet-Séguin: Ravel (EMI) - Der Dirigent, der in den letzten, fetten Jahren der CD-Industrie für das so sehr speziell französische Flirren gesorgt hatte, war Charles Dutoit.Der ist Schweizer, und sein damaliges Orchestre Symphonique de Montréal war im kanadischen Quebec beheimatet.Aus der französischsprachigen Metropole kommt auch der 34-Jährige, der 2008 in Salzburg seinen internationalen Durchbruch erlebte. Inzwischen ist er Chef des Rotterdam Philharmonic Orchestra, doch seine Werkbasis hat er sich während der letzten zehn Jahre beim Orchestre Métropolitain du Grand Montréal erarbeitet.

Von Manuel Brug

Yannick Nézet-Séguin: Ravel (EMI) - Der Dirigent, der in den letzten, fetten Jahren der CD-Industrie für das so sehr speziell französische Flirren gesorgt hatte, war Charles Dutoit. Der ist Schweizer, und sein damaliges Orchestre Symphonique de Montréal war im kanadischen Quebec beheimatet. Aus der französischsprachigen Metropole kommt auch der 34-Jährige, der 2008 in Salzburg seinen internationalen Durchbruch erlebte. Inzwischen ist er Chef des Rotterdam Philharmonic Orchestra, doch seine Werkbasis hat er sich während der letzten zehn Jahre beim Orchestre Métropolitain du Grand Montréal erarbeitet. Seine Vorbilder: der elegante Dutoit und der noble Carlo Maria Giulini. Seine Stärken: durchsichtige Strukturen dank seines Trainings als Chorleiter und eine bunte, feinabgestufte Palette beim Mischen der für die Musik der Franzosen so wichtigen Farben. Die EMI hat offenbar Großes mit Yannick Nézet- Séguin vor, in kürzester Zeit sind bereits drei Aufnahmen gemacht worden. Für ihn dürfte die überraschungslose Maurice-Ravel-Auswahl aus 2. "Daphnis"-Suite, "La Valse", "Valses nobles et sentimentales" und dem "Mutter Gans"-Ballettkondensat die wichtigste sein. Sie ist trotz aller Kolorierungskunst besonders in ihrem Willen zum klar artikulierten Akzent und präzisen Rhythmuswirbel mehr als nur ein Talentbeweis. ++++-

Brahms: Vokalwerke (Tudor) - Einen tollen Talentbeweis liefert auch ein anderer Dirigentenjungspund, der eben bei den Bamberger Symphonikern als Erster Gast angeheuert hat. Mit dem erst 28- jährigen Robin Ticciati hat man an der Pegnitz einen guten, vor allem schnellen Griff getan, denn das lockige Kerlchen aus England ist schon ziemlich gefragt. Auch die erste gemeinsame CD gibt es schon, da pflegt er ganz altmeisterlich den dunklen, mitteleuropäischen Klang von Bayerns zweitem Staatsorchester. Das bekommt dem so altmodischen wie schönen, vom Chor des Bayerischen Rundfunks schlank und ohne Schluchzer servierten "Gesang der Parzen" ebenso wie der hochpathetischen "Nänie". Mögen darin auch die Götter das Menschengeschlecht fürchten, Ticciati hat vor Brahms keine Angst. Hört sich gut an. +++++

Chopin: Kammermusik (EMI) - Der wöchentliche Polenmusiktipp ist ebenfalls männlich, jung, braunhaarig und gelockt. Andreas Brantelid ist ein 22-jähriger dänischer Cellist und schon mehr als nur eine skandinavische Hoffnung. Er widmet auf seiner zweiten CD für ein Großlabel dem - bis auf die "Polonaise brillante" - gesamten Cellowerk von Frédéric Chopin. Dazu gehören aus dessen Salonmusikzeit das schmiegsame Klaviertrio, in dem noch die Tasten dominieren, sowie zwei Werke für den Cellofreund August Franchomme: das ranschmeißerische Duo über Meyerbeers "Robert der Teufel" und das letzte offizielle Opus, die zart vergeistigte Cellosonate. Brantelid und seine beiden Mitmusikerinnen starten mit jugendfrischem Tonfall und offener Interpretationshaltung. Hier wird nichts problematisiert. Hier wird gern aufgespielt. ++++-

De Boismortier: Daphnis & Chloé (Glossa) - Es muss nicht immer Ravel sein, schließlich hat auch einer seiner französischen Komponistenväter eine Variation über das griechische Schäferidyll geschrieben. Natürlich ist Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755) nach wie vor ein Barockopern- Geheimtipp, doch diese Pastorale von 1747 ist in mindestens so feinen Farben tongepinselt wie die, mit denen auch Boucher seine Landschaften für die Madame de Pompadour strichelte. Hervé Niquet und sein Concert Spirituel sowie eine Equipe motivierter Sänger erweisen sich einmal mehr als großartig frankophile Schatzgräber. bru +++++

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