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Ein Mythos steht zum Verkauf - Der finanziell in Not geratene EMI-Konzern will sich von den berühmten Abbey-Road-Studios trennen - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

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18.02.2010

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MUSIK: Ein Mythos steht zum Verkauf

Der finanziell in Not geratene EMI-Konzern will sich von den berühmten Abbey-Road-Studios trennen

LONDON - Der Weg ist der gleiche geblieben. Vom U-Bahnhof St. John's Wood wandert man die Grove End Road hinunter bis zur Abbey Road. Da liegt er, der berühmteste und meist fotografierte Zebrastreifen der Welt. Beim andachtsvollen Überqueren bitte Vorsicht – die Busfahrer der Linie 139 wollen ihren Fahrplan einhalten.

„Abbey Road“ – spätestens seit dem gleichnamigen letzten Album der Beatles, auf dessen Cover die Pilzköpfe über den Zebrastreifen latschen, haben die Musikstudios im feinen Londoner Stadtteil St. John's Wood einen legendären Klang. Aber die glorreiche Vergangenheit schützt nicht vor wirtschaftlichen Zwängen. EMI, dem kaum weniger bekannten Musiklabel, geht es schlecht, dringend muss Geld her. Das Unternehmen, das 2007 vom Finanzinvestor Terra Firma übernommen worden war, soll 2009 einen Verlust von umgerechnet fast zwei Milliarden Euro gemacht haben. Durch den Studio-Verkauf könnte eine zweistellige Millionensumme hereinkommen.

Ob dies das Ende schöner Töne aus der Abteistraße bedeutet? Noch immer produzieren die Studios gute Musik; nicht zuletzt lässt sich im größten Saal ein ganzes Symphonieorchester unterbringen. John Williams' Soundtrack für die Harry-Potter-Filme ist hier entstanden; 70 Jahre zuvor hatte Englands berühmtester Komponist Sir Edward Elgar selbst den Taktstock geschwungen für eine Einspielung der Patrioten-Hymne Land of Hope and Glory. Im Zweiten Weltkrieg nahmen Regierung und BBC hier ihre Propaganda-Sendungen auf. Über Jahrzehnte hat die Musik die Studios bestimmt: von den Beatles über die Pink-Floyd-Scheibe Dark Side of the Moon bis zu den Manic Street Preachers und Radiohead.

Der glorreichen Vergangenheit des Hauses, das EMI 1929 für 100 000 Pfund kaufte, begegnet man heute noch auf Schritt und Tritt. Im Keller finden sich noch Mischpulte, an deren Knöpfen noch John Lennon gedreht hat. Die modernen digitalen Studios der Konkurrenz sind billiger, andere Platten-Labels besser gemanagt. EMI lebte jahrelang über seine Verhältnisse. Und bevor der verschuldete Konzern an die Gläubigerbank fällt, sollen die Abbey-Road- Studios nun noch schnell unter die Leute gebracht werden, so die Überlegung des Managements. Nostalgische Fans trösten sich mit einer Gewissheit: Wenigstens der legendäre Zebrastreifen vorm Haus bleibt unverändert in Staatsbesitz. (Von Sebastian Borger)


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