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Musikkonzern EMI: Das Ende vom Lied - Unternehmen - Wirtschaft - FAZ.NET
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Musikkonzern EMI

Das Ende vom Lied

Das Traditionsunternehmen EMI ist zum Spielball von Finanzjongleuren und Bankern geworden. Ihre Machtkämpfe bedrohen die Existenz des britischen Musikkonzerns, der Musikstars wie die Beatles, Coldplay oder Pink Floyd vertreibt.

Von Marcus Theurer, London

EMI-Büro in LondonEMI-Büro in London

06. Februar 2010 

Am vergangenen Sonntag haben sie noch gefeiert bei EMI. Der britische Musikkonzern hatte nach der der alljährlichen Verleihung der amerikanischen Grammy-Musikpreise zur Aftershow-Fete in ein Hotel in Los Angeles eingeladen. Elio Leoni-Sceti, der Vorstandschef, war da, der Filmregisseur Quentin Tarantino und das Popsternchen Katy Perry. Einer aber fehlte: Guy Hands, der Verwaltungsratschef des EMI-Eigentümers Terra Firma. Ihm war vermutlich nicht nach Feiern zumute. Denn die von ihm vor zweieinhalb Jahren eingefädelte Milliardenübernahme des Musikkonzerns droht für die Beteiligungsgesellschaft in einem Fiasko zu münden. Für das Traditionsunternehmen EMI könnte das schlimmstenfalls das Ende bedeuten.

Die Liste der großen Namen, deren Musik EMI vertreibt, ist noch immer lang. Die Beatles sind darunter, Pink Floyd, Coldplay, Norah Jones, die Beastie Boys und Robbie Williams. Doch seit dieser Woche ist klar, wie es um EMI wirklich steht: Noch viel schlimmer als bisher bekannt.

„Erhebliche Zweifel“ am Fortbestand des Unternehmens

Am Donnerstagabend hat die von Terra Firma kontrollierte EMI-Holdinggesellschaft Maltby Capital ihren Bericht für das Ende März 2009 zu Ende gegangene Geschäftsjahr veröffentlicht (siehe EMI kämpft ums Überleben). In ihrem Testat warnen die Wirtschaftsprüfer, es gebe "erhebliche Zweifel" am Fortbestand des Unternehmens. EMI musste rund eine Milliarde Pfund vor allem auf seinen gewaltigen Katalog an Verlagsrechten abschreiben. Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 1,567 Milliarden Pfund, das sind fast 1,8 Milliarden Euro. Zum Bilanzstichtag war EMI mit 408 Millionen Pfund überschuldet.

Mehr oder weniger schlecht geht es allen Plattenfirmen, denn der Absatz von Musikalben hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als halbiert. Doch EMI durchleidet darüber hinaus seine ganz eigene, hausgemachte Krise. Begonnen hat sie im Juli 2007: Für rund 4 Milliarden Pfund kaufte damals die von Guy Hands gegründete Finanzgruppe Terra Firma EMI. Da war die Musiklegende schon träge geworden und ihr Marktanteil seit Jahren geschrumpft, weil die Konkurrenz die bessere Nase für neue Talente hatte. Vergeblich hatte das Management auf immer neue Sparrunden und erfolglose Fusionsversuche gesetzt. EMI war reif für Guy Hands und Terra Firma.

Doch der Brite kannte sich nicht aus im Musikgeschäft. Terra Firma hatte zuvor unter anderem die deutsche Raststättenkette Tank & Rast gekauft. Hands ließ bei EMI weiter sparen und übertrug im Herbst 2008 die schwierige Sanierung Elio Leoni-Sceti. Auch der Italiener verfügte über keine Branchenerfahrung, er kam vom Haushaltsreiniger-Hersteller Recktt Benckiser. Der Preis, den Terra Firma für EMI bezahlt hatte, erwies sich schnell als viel zu hoch. Das auf dem Höhepunkt der Börsen-Hausse, nur wenige Wochen vor dem Beginn der Finanzkrise abgeschlossene Geschäft gilt heute als finanzieller Irrsinn. Hands behauptet inzwischen, er sei von der amerikanischen Großbank Citigroup getäuscht worden. Deren Investmentbanker haben den Verkauf von EMI organisiert. Zugleich vergab die Bank einen Milliardenkredit an Terra Firma zur Finanzierung der Übernahme. Hands hat die Citigroup verklagt.

Wertvoller Katalog mit Verlagsrechten

So ist EMI zum Spielball in der Schlacht zwischen dem Finanzinvestor und der Großbank geworden. Schuldner und Gläubiger kämpfen erbittert um die Kontrolle über das Musikunternehmen, und nach dem Milliardenverlust sieht es nicht gut aus für Terra Firma. Die Geschäftszahlen sind so schlecht, dass die Beteiligungsgesellschaft Eigenkapital nachschießen muss, sonst verliert sie EMI an die Citigroup. Terra Firma hat Leoni-Sceti beauftragt, einen neuen Geschäftsplan für den Musikkonzern auszuarbeiten. Damit will Hands die Investoren, die hinter Terra Firma stehen, überzeugen, noch mehr Geld in EMI zu pumpen. Dabei haben sie schon mehrfach Kapital nachgeschossen. Jetzt sollen sie abermals 120 Millionen Pfund aufbringen. Die Zeit drängt. "Bis Mitte Juni muss das Geld fließen", heißt es in Finanzkreisen.

Ob weiter unter der Regie von Terra Firma oder unter der Führung der Citigroup: Radikale Lösungen werden immer wahrscheinlicher. Die Finanzmanager könnten einen weiteren Anlauf zu einer Fusion mit dem Konkurrenten Warner Music nehmen, aber die Verhandlungsposition von EMI ist angesichts der desolaten Finanzlage schlecht. Oder EMI wird filetiert.

Dem Musikkonzern gehört einer der größten und wertvollsten Kataloge mit Verlagsrechten, die es auf der Welt gibt. Nach dessen Verkauf bliebe nicht mehr allzu viel übrig vom Unternehmen. Doch zuerst muss wohl die Machtprobe zwischen Terra Firma und der Citigroup entschieden werden. Konstruktive Gespräche zwischen beiden Seiten scheinen inzwischen unmöglich geworden zu sein. Stattdessen herrscht eisiges Schweigen. "Es gibt derzeit keine Kontakte", sagte am Freitag ein Beteiligter.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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