Und es ist ja wahr: Menschen verfügen über ganze Diskotheken auf ihren Computern, wissen aber gar nicht, welche Songs - geschweige denn Alben - sie so gespeichert haben.Nur ältere Menschen gehen aus Sentimentalität und Anhänglichkeit in die Plattenläden, von denen es immer weniger gibt. Die großen Elektronik-Läden stapeln nur Massenware, die ein Plattensammler alten Zuschnitts verachtet. Und die verbliebenen Plattenfirmen setzen auf die Wiederveröffentlichung von Klassikern und die Durchlauferhitzung von "DSDS"-Versuchskaninchen.Einer der übrig gebliebenen Giganten der Plattenindustrie, die ehrwürdige britische Firma EMI (Electric and Musical Industries), meldet nun einen Schuldenberg von 1,26 Milliarden Euro. So klein ist das Musikgeschäft also noch gar nicht, wenn solche Verluste möglich sind!EMI war die Firma, die das Imprint "His Master's Voice" mit dem weltberühmten Hund vor dem Grammofon erfand.EMI nahm die Beatles unter Vertrag, später Pink Floyd und David Bowie. EMI zahlte Robbie Williams vor einigen Jahren 120 Millionen Pfund für künftige Dienste. EMI war ein Imperium.Doch schon zweimal in den letzten Jahren mussten Mitarbeiter das deutsche Hauptquartier in Köln fluchtartig verlassen, weil ihre Arbeitsplätze über Nacht gestrichen worden waren.Man hörte öfter, das Repertoire sei zu groß - aber etwa 80 Bands aus diversen Ländern hatten bereits ihre Verträge verloren.Alles, was nicht auf Anhieb profitabel war, wurde entfernt.So entfernte sich Paul McCartney von dem Label. Er hatte auch darüber geklagt, dass die Firma ihn bei jeder neuen Platte auf Promotion-Tour nach Köln schickte - für ihn offenbar der Inbegriff des Provinziellen. Heute veröffentlicht McCartney seine Alben bei einem Kaffeeröster.Die Künstler müssen sehen, wo sie bleiben - und immer weniger vertrauen ihr Geschick den Plattenlabels an. Neue Vertriebsmodelle schießen ins Kraut, Talentwettbewerbe sind so beliebt wie in den frühen 60er-Jahren, Guerilla-Methoden werden erfunden. Bei EMI dagegen herrscht noch immer Behördenmentalität, leistet man sich einen Wasserkopf.Und Robbie Williams ist zwar erfolgreich - aber längst nicht mehr so erfolgreich wie im Jahr 2000. Demnächst bringt die Firma übrigens Alben von Jonsi und Eli "Paperboy" Reed heraus. EMI ist ein vornehm versinkendes Reich. Die Beatles hätten heute eine YouTube-Seite.